Kreativität hat nichts mit Kunst zu tun.
Das ist die erste Sache. Kreativität ist nicht Malen. Es ist nicht Zeichnen. Es geht nicht darum, Dinge hübsch aussehen zu lassen. Das sind alles wunderbare Dinge. Aber Kreativität ist etwas viel Größeres.
Kreativität ist die Fähigkeit, ein Problem zu betrachten und mehr als einen Weg zur Lösung zu sehen. Und alles beginnt mit dem Spielen.
Divergentes Denken
In den 1960er Jahren identifizierte der Psychologe J.P. Guilford an der University of Southern California eine Art des Denkens, die er Divergentes Denken nannte - die Fähigkeit, mehrere Lösungen für ein einzelnes Problem zu finden. Es ist das genaue Gegenteil von der Suche nach der einen Richtigen Antwort. Es geht darum, zehn interessante Antworten zu finden und sich dann zu entscheiden.
Jahrzehnte später bestätigte der Kreativitätsforscher Mark Runco an der University of Georgia, dass Divergentes Denken in der Kindheit ein Indikator für kreative Leistungen im Erwachsenenalter ist. Die Kinder, die ungewöhnliche Verwendungsmöglichkeiten für eine Büroklammer finden, werden zu den Erwachsenen, die ungewöhnliche Lösungen für Probleme finden, die noch niemand gelöst hat.
Und wisst ihr, wo sich Divergentes Denken am besten entwickelt?
Beim Spielen. Genauer gesagt beim offenen, unstrukturierten Spielen, bei dem es keine Bauanleitung und kein vorherbestimmtes Ergebnis gibt.
Der Vorteil von offenen Materialien
Forscher der Fakultät für Bildungswissenschaften der University of Cambridge fanden heraus, dass einfache, offene Materialien - Bauklötze, Stoff, Pappe, Naturmaterialien - das kreative Denken deutlich stärker fördern als Spielzeug mit nur einem einzigen, vorherbestimmten Zweck. Ein Bauklotz kann ein Haus sein, ein Telefon, ein Raumschiff oder ein Stück Kuchen. Ein Spielzeug, das bereits ein Telefon ist, ist... nun ja, ein Telefon.
Die Magie steckt nicht im Material. Sie steckt in der Lücke zwischen dem, was das Material ist, und dem, was das Kind entscheidet, das es sein könnte. In dieser Lücke lebt die Kreativität.
Risiko, Scheitern und Resilienz
Kreatives Spielen lehrt auch etwas, das strukturierte Aktivitäten nicht können: wie man scheitert. Wenn der Turm umfällt, baut das Kind ihn wieder auf. Wenn die Geschichte eine falsche Wendung nimmt, lenken sie um. Wenn der Drache nicht kooperiert, wird verhandelt. (Oder sie schicken einen größeren Drachen. Das gilt auch.)
Angela Duckworths Forschung über Durchhaltevermögen (Grit) an der University of Pennsylvania ergab, dass Beharrlichkeit bei Schwierigkeiten - die Bereitschaft, weiterzumachen, wenn etwas nicht funktioniert - Erfolg verlässlicher vorhersagt als Talent. Und dieses Durchhaltevermögen wird beim Spielen immer und immer wieder geübt.
Ein Kind, das ein Haus aus Kissen baut, übt denselben kognitiven Prozess wie ein Ingenieur, der ein strukturelles Problem löst. Sie verwenden nur weichere Materialien.
Wie Naniby das nutzt
Bei Naniby gibt es keine Richtigen Antworten und keine vorgegebenen Handlungsstränge. Die Geschichte eures Kindes kann sich in absolut jede Richtung entwickeln. Der Drache kann freundlich sein. Das Schloss kann aus Käse bestehen. Das Ende kann lauten: „Alle haben ein Nickerchen gemacht.“ Diese Offenheit ist pure Absicht: Es ist derselbe kreative Raum, den Bauklötze und Pappkartons bieten, nur eben innerhalb einer Geschichte. Divergentes Denken, geübt mit jeder neuen Geschichte.
